∗ 22.10.1928
Adliswil,
† 9.4.2016 Sils/Segl Baselgia
Jugend und Schulzeit in Oberrieden am Zürichsee.
1940 entstehen erste Aquarelle der Landschaft um
Oberrieden. 1943–44 Besuch der
Kunstgewerbeschule Zürich bei Ernst Gubler.
1944–48 Lehre als Grafiker bei Orell-Füssli in
Zürich, daneben Kurse in der Malklasse von
Ernst Gubler und
Max Gubler an der
Kunstgewerbeschule Zürich. Ab 1947 regelmässige
Teilnahme an der Ausstellung
Zürich-Land.
1948 Übersiedlung nach Grevasalvas im
Oberengadin. Seither freier Maler. 1949 erste
Malreise nach Oberitalien und Ausstellung
Junge
Zürcher Künstler im Kunsthaus Zürich.
1950 grosse Wandbilder für die Olma, St. Gallen,
und Studienreise nach Holland. 1952 Reise nach
Dänemark. Nach seiner Rückkehr nach Zürich 1954
eigenes Grafikatelier. 1966, 1981 und 1988
Sommeraufenthalte auf Sizilien, 1969 in Spanien.
Atelier auf dem Hirzel bei Zürich. 1974 und 1985
Reisen nach New York. 1993 Organisation der
Kunstaktion Oltre
Confine –
Grenzüberschreitung auf der
italienisch-schweizerischen Grenze bei
Castasegna und Villa di Chiavenna. Lebt ab 1972
in Sils-Baselgia und in Bondo im Bergell.
Freundschaft mit
Varlin.
Die frühen Zeichnungen und die Landschaften in
Öl aus den 1940er-Jahren weisen Hannes Gruber
noch als Gubler-Schüler aus. Die Übersiedlung in
das abgeschiedene Grevasalvas, einen
Schlüsselort für Grubers künstlerische
Entwicklung, führt nach und nach zur Besinnung
auf die eigene Veranlagung. Diese äussert sich
zu Beginn noch in einer an Kirchner erinnernden
expressiven Landschaftsauffassung. Das
Bedrohliche, das bündnerische Landschaften unter
solchen Vorzeichen annehmen können, kehrt sich
im Laufe der 1960er-Jahre zum Sinnbild für die
Bedrohung der Landschaft. Gruber versteht den
Malakt im Freien bereits als «Übersetzung von
Landschaft ins Bild». Diese rational gefilterte
Wiedergabe von Landschaftserlebnissen befähigt
ihn, die Umgebung im Bild mit Bedeutungen
aufzuladen. Er zeigt etwa den Silsersee als eine
aufgebrochene Landschaft in Bewegung, die sich
gegen die touristische Domestizierung zu wehren
scheint. Gruber erlebt das Naturschöne und das
Kunstschöne als eine Einheit, die erhaltenswert
ist. Der Landschaftsmaler Gruber wird zum
Lichtmaler und entwickelt seine «Theorie der
Um-Farbe», die sein künftiges Schaffen bestimmt.
Eine Farbe isolieren, sie aus der Konfrontation
mit den sie umgebenden Farben herauslösen,
bedeutet für ihn, sie aus ihrem
Funktionszusammenhang zu reissen.Wegen der
wachsenden Touristenströme malt Gruber die
Landschaft nicht mehr vor dem Motiv, sondern im
Atelier aus der Erinnerung. Die Grundlinien der
vorgegebenen Landschaft verselbständigen sich
zunehmend, sie lösen sich von den Formen, die
sie eben noch umrissen haben. Sie fügen sich zu
Strukturen von neuer bildnerischer
Eigenständigkeit, in denen das einstige
Eingebundensein in Landschaft nur noch zu ahnen
ist. So lässt sich Schritt für Schritt Grubers
Weg in die Abstraktion mitverfolgen. Die
Gouachen vom Steinbruch in Sizilien von 1977
führen zur definitiven Loslösung der Form von
ihrer natürlichen Vorlage. Was einst Form war,
reduziert sich jetzt zum Zeichen, zur Abkürzung.
Erfüllt hat sich dieses Vorgehen im systematisch
angelegten Farbenatlas und im Zeichensystem von
Sizilien aus den 1980er-Jahren. Die Faszination
durch das Licht prägt jetzt Grubers Bildsprache
definitiv. Die Gegenstände und vor allem die
Zeichen, die dafür stehen, lösen sich in Licht
auf. Statt der früher üblichen Addition der
Erscheinungen im Bild fasst Gruber jetzt ihre
Summe zu abstrakten Gemälden. Er lässt stets
noch erkennen, dass Naturerfahrung der Auslöser
seines Schaffens ist; die Erfahrung aber mischt
sich mit dem Wissen um die physischen
Bedingungen, die diese Eindrücke und Erfahrungen
herbeigeführt haben. So bändigt jetzt
Rationalität Grubers Licht- und Farbenwelt.
Werke: Ibiza, Balearen, Überbauung Stella Maris,
Mauerbilder, 1969; Maloja, Graubündner
Kantonalbank, vier integrierte Bilder, 1983–84;
Obersaxen, Ferienhaus der Schulgemeinde
Wädenswil, Wandgestaltung, 1972; Samedan,
Gestaltung der Mensa in der Berufsschule
Promulins, 1982; Spino-Bregaglia, Ospedale Fljn,
Farbkonzept, 1996; Wädenswil, Schulhaus Fuhr,
dreidimensionale Wandgestaltung, 1971.
Peter K. Wehrli, 1998, aktualisiert durch die
Redaktion, 2017
https://de.wikipedia.org/wiki/Hannes_Gruber
https://recherche.sik-isea.ch/sik:person-4002285

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Inv. Nr. 465
Gouache Datiert und Signiert, Grösse
75x58 cm.
Preis CHFr. 580.- |