Geboren am 29.
Februar 1956
Bürgerort Oberurnen (GL)
Staatszugehörigkeit CH
https://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Zindel
https://recherche.sik-isea.ch/sik:person-4004625
Sofern
Du an den Arbeiten von Thomas Interesse
hast,
nimm bitte Kontakt mit mir auf unter,
Telefon +41 79 437 54 44
oder per E-Mail:
info@kvr-vintage.ch
Anbei seltene Arbeiten
aus den 1980 - 1990er Jahren!
Thomas Zindel wächst in Chur auf und
besucht 1978 die Kunstgewerbeschule Zürich. 1980
Aufenthalt in Berlin. Bis 1987 lebt Zindel an
der Aquasanastrasse in Chur: Hier veranstaltet
er von 1982 bis 1984 zahlreiche Ausstellungen
(Aqua sana zeigt) und betreibt eine Lithografie-
und Radierwerkstatt. 1987 übersiedelt Zindel
nach Basel. 1991 Preis der Stiftung für
graphische Kunst in der Schweiz. 1994 erhält er
von der der Schweizerischen Bankgesellschaft ein
Werkjahr und wird mit dem Manor-Kunstpreis
Graubünden ausgezeichnet. In Zusammenarbeit mit
der Bündner Kulturwerkstatt In Situ realisiert
Zindel seit 1985 szenische Projekte und schafft
Bühnenbilder. 1995 hält sich Zindel für einen
Arbeitsaufenthalt in Peyriac-de-Mer auf und
arbeitet 1996/1997 in der Cité internationale
des arts in Paris. Seit 1998 lebt und arbeitet
er wieder in Chur. 2002 Anerkennungspreis der
Stadt Chur. 2011 Anerkennungspreis des Kantons
Graubünden. Zindel betreibt seit 2015 in Chur
die Galerie/Edition Z.
Zindels Werk ist durch klar zu definierende
Werkgruppen geprägt. Diese tragen
bedeutungsschwere Titel wie Das Haus der
Unruhe, Das Tuch der Veronika, Scotts
Reise zum Südpol, Die Eroberung der
Nacht, Tränen des Eros, Marias
Nachmittage, Der sterbende
Gott, R.E.M., Die Geste des
Liebens oder Offene Tätowierung. Es
geht dabei um das Freilegen von Realitäten
hinter der Oberflächlichkeit der Dinge und um
die Visualisierung psychischer Befindlichkeiten,
um prekäre Situationen und fatales Scheitern.
Bei den mit heftigem Pinselduktus geschaffenen
Werken stehen existenzielle Grunderfahrungen wie
Angst und Gefährdung, Einsamkeit und Suche,
Gewalt und Verletzung, Eros und Tod im Zentrum.
Nicht selten lässt sich Zindel von Philosophen
und Literaten anregen, etwa von Georges Bataille
und dessen Theorie der Transgression, nach der
nur das Spiel mit dem Widersprüchlichen das
Aufspüren der Wahrheit erlaube.
Gegen Ende der 1980er Jahre wandelt sich die
bildkünstlerische Strategie. Die Beschäftigung
mit dem Dichter Jakob Michael Reinhold Lenz
(Georg Büchner, Lenz, 1836) führt zur
Auseinandersetzung mit dem «Gebirg» und mit der
Landschaft (S–Z–N – Segantini–Zarathustra–
Nietzsche) sowie mit dem Menschen und seiner
schicksalhaften Beziehungen zur zeitenthobenen
Berglandschaft. Die Werkgruppe (Peyriac de mer)
mit den Motiven Krug und Amphore, Brot und Fisch
weist einen explizit sakralen Charakter auf. Mit
der Bildreihe der Filets, die gewebe- und
geflechtartige Strukturen aufweisen, lässt
Zindel die Figuration hinter sind und findet zu
einer selbstrefenziellen Malerei, bei der die
Farbe und die vage Andeutung zunehmend
bedeutender werden.
In den 1990er Jahren werden Giottos Fresken in
der Scrovegni-Kapelle in Padua zu einem
wichtigen Bezugspunkt. Zindel treibt dabei die
fundamentale Frage um: Was macht eigentlich ein
Bild aus, und was ist erforderlich, um einem
Bild Eigentümlichkeit und Würde zu verleihen?
Mit dem Verzicht auf jede Gegenständlichkeit
geht eine rigide Bildordnung einher. In die
Linien und Kreisraster sind wechselnde,
symbolträchtige Farben wie Rot, Blau oder Gold
eingeschrieben. Die meditative Ruhe und die
numinose Räumlichkeit verleihen den Gemälden
eine sakrale Entrücktheit (Noli me tangere). Bei
den nun rasch aufeinander folgenden Werkgruppen
wie Stations of the Cross, Adagio con
anima, Adagio ritenuto, adagio
sostenuto oder Tina lotet Zindel
die elementaren Eigenschaften der Malerei aus:
Form und Farbe, Rhythmus und Ruhe, Fläche und
Raum, Einheit und Fragment, Fülle und Leere.
Gleichsam hinter der geometrischen Stringenz
geht es ikonologisch um Fragilität und
Grenzüberschreitung, um Emotion und
Besänftigung, um Klang und Meditation.
Werke: Chur, Bündner Kunstmuseum; Chur,
Graubündner Kantonalbank; Graphische Sammlung
ETH Zürich.
Beat Stutzer, 1998, aktualisiert 2019
Text aus
https://www.sikart.ch/KuenstlerInnen.aspx?id=4004625
sik-isea_lexikonartikel_4004625_de.pdf